Schloss an der Eisenstraße

Am Schlossplatz 1
3340 Waidhofen/Ybbs
Telefon: +43 (0) 7442 / 505
info@schlosseisenstrasse.at

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Geschichte und Bedeutung

Schloss Zell wurde um 1800 als Amts- und Verwaltungssitz der Herrschaft Gleiß, die seit dem 11. Jahrhundert ausgedehnte Besitzungen im Ybbstal innehatte, errichtet. Der blockhafte, dreigeschossige Bau mit dem östlich vorgestellten, fünfgeschossigen Turm enthält in seinen Proportionen, Außenmauern und wesentlichen Bereichen seiner Innenstruktur die historische, frühbarocke Bausubstanz. Diese manifestiert sich in den zahlreichen, in allen Geschossen vorhandenen Gewölben.

Das Erdgeschoss wird vom durchgehenden, kreuzgratgewölbten Flur erschlossen. Die oberen Gewölbe sind mit bemerkenswerten Stuckaturen aus der Erbauungszeit ausgestattet:

An den Graten profilierte Bandauflagen, in den Scheiteln profilierte Kassetten, Medaillonfelder und Leisten. Zur selben ursprünglichen Ausstattungsphase gehören auch die von starken Unterzügen getragenen, ornamentierten Holzbalkendecken im ersten Obergeschoss sowie das mit Stuckrosetten besetzte Ganggewölbe im dritten Geschoss. 

Dass dem Schloss Zell, am hohen Konglomeratfelsen über der Ybbs gelegen, von Anfang an eine optische Dominanz, die das Ortsbild von Waidhofen wesentlich bestimmt, zukam, wird bereits durch die Ansichten Waidhofens von Merian 1649 und von Vischer 1672 bestätigt. 

Die Herrschaft Gleiß mit dem Schloss Zell gelangte 1655 in den Besitz des Grafen (seit 1678 Fürst) Raimund von Montecuccoli. Nach dem Tod des Fürsten Leopold von Montecuccoli (1698) kam die Herrschaft Gleiß mit dem Schloss Zell in den Besitz der Grafen Orsini-Rosenberg, welche die Grundherrschaft bis 1848, den Gutsbesitz bis 1913 innehatten. Schloss Zell war wohl seit seiner Erbauung Amtssitz, nach der Zerstörung der Burg Gleiß 1808 durch die Franzosen auch lokales Zentrum der Herrschaftsverwaltung. Der Gutsbesitz Gleiß wurde 1913 veräußert.

Das Schloss Zell wurde bereits 1888 durch den Waidhofner Gottfried Jax käuflich erworben. 1908 und 1912 wurden unter Schonung der Altsubstanz Adaptierungen und Umbauten zum Hotel nach Plänen der Architekten Nikolaus von Bukovics und Leopold Spreitzer vorgenommen. Das ursprünglich zweifirstige Grabendach wurde durch ein dreiwalmiges, in zwei Dachgeschossen ausgebautes und mit zahlreichen Dachfenstern versehenes Dach ersetzt. Im Inneren wurde die Zimmeraufteilung in den Obergeschossen teilweise geändert.

Zur Ybbs hin wurde ein zweigeschossiger Speisesaal für 200 Personen mit einer Glasveranda angebaut. Aus derselben Zeit stammen auch die Vordächer beim Haupteingang und beim Ausgang in den einstigen Schlosspark. 

Die Besitzer des Schlosshotels Zell wechselten seit Beginn des 20. Jahrhunderts öfters. Nach dem Zweiten Weltkrieg schien das Schlosshotel dem Verfall preisgegeben. Seit mehreren Jahrzehnten gab es Bemühungen, das Zeller Schlosshotel zu revitalisieren und einer neuen Bestimmung zuzuführen. Im Sommer 1998 hatte die Statutarstadt Waidhofen das Zeller Schloss erworben. Im Mai 2000 wurde die Öffentlichkeit mit konkreten Plänen zur Revitalisierung des Zeller Schlosses konfrontiert. 

Die frühbarocke Bausubstanz mit ihrer qualitätvollen Stuckausstattung und die ehemalige Funktion als Verwaltungssitz einer sehr alten Grundherrschaft begründen eine historische, künstlerische und kulturelle Bedeutung des Schlosses Zell. Eine Revitalisierung dieses Schlosses soll kulturelles Erbe bewahren und gleichzeitig Neues gestalten.

Aus Vision sollte Wirklichkeit werden. Projektstudien ergaben vorerst eine negative Rentabilität, da die Region touristisch zu weinig entwickelt war. Weitere Recherchen ergaben jedoch eine neue Bedarfssituation: nebst Hotel wird auch ein moderner, größerer Veranstaltungssaal für Waidhofen benötigt.

Die visionäre Idee ein Hotel mit einem Seminar-Kongress-Veranstaltungszentrum zu kombinieren ergibt eine neue Wirtschaftlichkeitsberechnung. Basis ist eine wirtschaftlich optimale Errichtungs- und Betriebsform unter Einbeziehung der gesteigerten touristischen Attraktivitäten der Region, sowie möglicher EU-Förderungen und Beteiligungen der Stadt Waidhofen/Ybbs. Als Projektentwickler wurde S+B Plan &Bau GmbH beauftragt.

Zur Erstellung der erforderlichen Grundlagen bzw. zur Sicherung der Finanzierung und Realisierbarkeit, entwickelt S+B Plan & Bau GmbH in Wien das Projekt und finanziert es mit 10 Mio ATS vor. Im Februar 2000 erfolgt die Präsentation der Grundlagenstudie bei den Landes- und Gemeindeverantwortlichen. Ein Hürdenlauf durch Landes-, Bundes- und EU-Instanzen beginnt und endet sechs Monate später mit einer Förderungszusage, Ausfinanzierungssicherung und der Baugenehmigung. Bereits am 26. April 2001 erfolgt der Spatenstich. Ein Jahr nach dem Baubeginn und trotz großer Probleme mit der Bodenbeschaffenheit und dem Denkmalschutz ist es am 4. Mai 2002 sowiet – die erste neugierigen Gäste strömen herein und schon am 18. Mai wird mit der ersten großen Gesellschaft – eine Hochzeit mit über 400 Gästen der erste Höhepunkt des Schlosses würdig gefeiert.